|
|
Der
am Rollstuhl gefesselte Wissenschaftler Stephen Hawking will die Gedanken Gottes
lesen, jedoch ohne dabei an ihn zu glauben.
Der vollständig
gelähmte Brite Stephen Hawking zählt zu den bekanntesten lebenden
Wissenschaftlern dieser Welt. Obwohl er völlig bewegungslos im Rollstuhl
sitzt, entwickelt er immer wieder neue höchstspekulative Theorien vom
Kosmos sowie dem, was ihn zusammenhält. Er ist bewegungsunfähig und
kann auch nicht mehr sprechen. Dennoch lehrt er durch seinen
Spezial-Computer als Professor an der Universität Cambridge. Er gilt
nun als einer der klügsten Köpfe der Welt, und er führt immer wieder mal
die Bestsellerlisten an. Stephen Hawking ist ein Phänomen. Nach
Ansicht der Mediziner hätte er bereits mit 22 Jahren an der unheilbaren
Muskel- und Nervenkrankheit: ALS, sterben müssen. Dennoch ist der
Astrophysiker und Kosmologe bereits über 60 Jahre alt.
Viele
Menschen würden Hawkings erbarmungswürdigen Zustand als unerträglich
qualvoll beschreiben. Doch er macht über sich selbst Witze, etwa wie:
Wenigstens komme er nicht in Versuchung, seine Zeit mit joggen und
Golf spielen zu vertrödeln. Der in Oxford geborene Forscher ist sich
sehr sicher, im Leben „großes Glück“ gehabt zu haben. Seine Krankheit
sei für ihn „kein so großer Schlag“ gewesen: „Bevor ich sie
bekommen hatte, fand ich das Leben schon eher langweilig. Jetzt bin ich glücklicher.“
Hawking kann sich nicht einmal seine Brille selbst zurechtrücken, und
doch wird er „Herr des Universums“ genannt. Seine Ex-Frau Jane
Wilde, mit der er 25 Jahre verheiratet gewesen war, betrachtete es in
dieser Zeit als ihre Hauptaufgabe, ihn immer wieder daran zu erinnern,
„dass er nicht Gott war“. Denn Hawking sucht die Antwort auf die
großen Fragen der Menschheit: „Mein Ziel ist ein vollständiges
Verständnis des Universums, warum es so ist, wie es ist, und warum es
überhaupt existiert.“ Kurz: „Er will „die Gedanken Gottes
lesen“, wobei der Atheist den Begriff "Gott" aber
lediglich als schöneres
Wort für die abstrakten Gesetze der Physik verwendet.
Dieses Ziel
glaubt er erreichen zu können, wenn er die Weltformel findet, eine
Formel die Einsteins Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik
verbindet. Eine mathematische Gleichung, die vom Urknall bis zu den
Atomen alles erklärt. In den 70ern glaubte Hawking noch, die
Forschung werde die Formel bis 2000 finden. Inzwischen hat er das auf
das Ende des 21. Jahrhunderts verschoben. Er ist jedoch sicher, dass die
Formel kommen wird — falls die Menschheit noch so lange existiert.
Vorwurf der
Panikmache an Stephen Hawking
Denn was
nun unsere Zukunft angeht, so ist er pessimistisch. Nacheinander hat
er bereits ihr nahendes Ende durch den Treibhauseffekt und auch durch ein
Killer-Virus vorausgesagt. Und ebenso hält er einen Kometeneinschlag für möglich.
„Panikmache“, werfen ihm seine Kritiker vor. Sie graust es ebenso
bei Hawkings Spekulationen über Außerirdische, Zeitreisen oder den
„neuen Gen-Menschen“. Hawking dagegen kennt keine Selbstzweifel.
Kritikern fährt er schon mal mit seinem Rollstuhl über die Füße.
Gelegentlich weist er auch daraufhin, dass er am 300. Todestag von
Galileo Galilei geboren wurde, dazu den Lehrstuhl Isaac Newtons habe,
sowie auch „nicht so bedeutend wie Einstein“ sei. Welchen wissenschaftlichen
Rang er wirklich hat, darüber streiten vorerst noch die Gelehrten.
Die meisten
Thesen Hawkings bleiben vielen Lesern seiner Bücher vermutlich
ohnehin unverständlich. Nur haben die wenigsten wohl so viel Mut wie
der "Times-Rezensent" des Millionenerfolgs „Eine kurze
Geschichte der Zeit“. Offen gestand er ein, er sei über Seite 29
nicht hinausgekommen.
|
|